Auf ein Wort

Eines der mächtigsten Reiche der Menschen im Norden. » Ortsbeschreibung
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Eleah
Kleiner Geist
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Re: Auf ein Wort

Beitrag von Eleah » So, 21. Feb 2016 12:03

Eleah stand sprachlos vor der Kutsche, aus der sie gerade gestiegen war und blickte auf Dubhs Schwester, während deren Worte noch in ihrem Kopf nachklangen. Kleiner Geist.. das waren auch Dubhs erste Worte an sie gewesen. Und nun hörte sie sie von seiner Schwester, die mehr tot als lebendig aussah. Eleah war froh, dass die Aufmerksamkeit zunächst noch auf Eve lag, denn so konnte sie sich etwas von diesem kleinen Schock erholen. In diesem Moment, als sie Eve am Boden liegen sah, machte sie sich ernsthaft Sorgen, ob sie ihr würde helfen können. Auf ihrer Reise war sie ungewöhnlich still und nachdenklich gewesen. Zu sehr hatte sie der Gedanke beschäftigt, und damit verbunden auch der Druck, ob sie Eve wirklich mit der Naturmagie würde helfen können. Nachdem ihr Kopf nach all dem fröhlichen Anstoßen wieder klar war und ihr abermals einfiel, was sie in der ersten Nacht auf Stromwall Dubh offenbart hatte, nahm sie nach ein paar Tagen all ihren Mut zusammen und erzählte es Dubh erneut. Dieses Mal nur ohne den tückischen Alkohol im Blut und mit klarer und nicht verzerrter Stimme. Dabei ging sie sehr vorsichtig vor, denn Fangrul hatte sie immer davor gewarnt, ihr Geheimnis auszuplaudern. Doch Dubh war der Mann mit dem sie ihr Leben verbringen wollte und wenn sie ihm das nicht anvertrauen konnte, dann hätte auch ihre Verbindung keine Zukunft. Sie hatte nicht mit einer negativen Reaktion gerechnet, aber auch nicht damit, dass er sie so verständnisvoll in den Arm nahm und ihr versprach, dass ihr dadurch niemals Leid widerfahren würde, solange er bei ihr war - und das würde, so wussten sie beide, für immer sein.

Und nun stand sie hier, vor seiner Familie, die sie herzlich in die Arme schloss, nachdem Eve ins Innere des Hauses getragen und weich in ihrem liebevoll eingerichteten Zimmer gebettet worden war. Eleah schloss Dubhs Familie sofort ins Herz und hatte das Gefühl, dass es auch andersherum der Fall war. Jedenfalls betonten sie immer wieder, wie sehr sie sich über ihren Besuch freuten. Doch so sehr sie auch das Beisammensein genoss, besuchte sie gleich am ersten Abend Eve in ihrem Zimmer, auch wenn alle sie dazu anhalten wollten, sich doch erst einmal von der langen Reise zu erholen. Doch Eleah wollte kein Risiko eingehen und auch wenn Kräutertinkturen und andere Mittelchen sehr oft halfen, erschien ihr Eves Körper viel zu schwach, um irgendetwas davon anzunehmen. Bevor sie schlafen ging, wollte sie sicher sein, alles dafür getan zu haben, dass Dubh seine Schwester am nächsten Morgen noch lebend vorfand. Sie versuchte, nicht zu viel ihrer Magie zu nutzen, aber Eves Geist war schon sehr geschwächt und weit entfernt, sodass es sie einiges an Zeit und Kraft kostete, ehe sie eine Verbindung zu ihr und ihren Kräften hergestellt hatte, die sie schon fast gänzlich verlassen hatten. Nicht auszumalen, was geschehen wäre, wären sie ein paar Wochen später oder gar nicht angereist. Eves Hand haltend spürte sie schließlich den vertrauten Strom der Magie und investierte viel ihrer Kraft, um Eves Lebensgeister zu entfachen, als müssten sie erst aus einem tiefen Winterschlaf geweckt werden. Selbst Eleah hatte sich die Prozedur einfacher vorgestellt, die so kräftezehrend war, dass sie auf dem alten Schaukelstuhl neben dem Bett einschlief, anstatt wie verabredet zurück zu Dubh und seiner Familie zu kehren.

Es waren lange Wochen, die sie bei seiner Familie verbrachten. Sie erfuhr sehr viel über seine Eltern, über Lill und vor allem über Dubh. Während sie seiner Mutter in der Küche half, vertraute diese ihr sogar an, dass sie die erste Frau war, die Dubh überhaupt mit nach Hause brachte und als wäre das nicht schon Schmeichelei genug, stellte sie auch klar, dass er keine Bessere hätte finden können. Eleah war froh, dass sie nicht weiter danach fragten, wie sie es geschafft hatte, dass Eve nach einer langen Woche zumindest wieder dazu fähig war, aus eigenen Kräften am Familienleben teilzunehmen, wenn auch immer noch sehr kränklich und schwach, wo doch jeder mit ihrem baldigen Sterben gerechnet hatte. Zwar benutzte die Taurrin auch ihre Kräuterkenntnisse, doch die waren vor allem zu Beginn mehr Schein als Sein.

Ihre Mutter in Fadrun hatte fast ein bisschen neidisch reagiert, aber sich auch ehrlich für ihre Tochter gefreut, die ihre alte Heimat besuchen konnte. Neugierig lief Eleah durch die Wälder oder verharrte auf einer Lichtung, in der Hoffnung, andere Katzenelfen zu sehen, doch nichts dergleichen tat sich. Sie konnte sich gut vorstellen, wie ihre Mutter damals hier gelebt hatte, doch hätte sie gerne auch andere Taurrin gesehen und mehr über sie erfahren. Dubhs Familie erzählte ihr gerne von den Taurrin im Wald, doch das war natürlich nicht dasselbe. Immer wieder nahm sie sich die Zeit und spazierte, alleine oder mit Dubh, der sie stets ermahnte, es nicht zu übertreiben, jetzt wo es Eve doch wieder besser ging, durch den Wald von Sieryan. Dann tat Eleah seine Worte mit gespielter Leichtigkeit ab und auch wenn er es vielleicht ahnte, gestand sie sich selbst und ihm nicht ein, wie sehr das alles an ihren eigenen Kräften zerrte. Sie wollte nicht, dass Eve ihm ein weiteres Mal und diesmal wirklich endgültig genommen wurde und so bürdete sie sich zu viel auf. Fangrul hatte sie oft davor gewarnt, sich nicht zu viel zuzumuten und ihr die Risiken aufgezeigt, doch das hier war zu wichtig, um auf seinen Rat zu hören. Wenige Stunden nachdem sie Eve besucht und auf ihre eigene Art behandelt hatte, nahm sie zunehmend selbst Schmerzen wahr, die sie vorher nie verspürt hatte. Schleichend ging dieser Prozess von statten und je mehr sie Eve half, desto mehr schienen sich ihre Kräfte auszutauschen. Je besser es Eve ging, desto mehr verspürte Eleah Empfindungen, deren Auslöser nur seine ehemals totkranke Schwester sein konnte. Viele Wochen vergingen und Eleah war froh zu sehen, dass es Eve mit jeder Woche besser ging. Ohne dass Eleah ein Wort über ihre erste Begegnung mit Dubh verloren hatte, bedankte sich Eve bei ihr für Dubhs Leben, aber auch für das ihre. Doch nicht nur die Naturmagie, sondern vor allem ihr Bruder schien ihr neue Lebenskraft zu geben. Das Gefühl hatte jedenfalls Eleah, wenn sie die beiden zusammen sah, um sie dann allein zu lassen, damit sie die verlorenen Lebensstunden wieder aufholen konnten. Eleah genoss die letzte Zeit auf dem Hof seiner Familie, denn Eve ging es nun gut genug, dass Eleah nicht viel mehr für sie tun konnte. Der sonst schon blasse und inzwischen eher fahle Ton ihrer Haut und die veränderten Gesichtszüge einer jungen Frau, die ständig ihre eigenen Kräfte opferte, blieben den anderen natürlich nicht verborgen – auch wenn außer Dubh und Eve, die sehr wohl spürte, was Eleah tat, sich keiner erklären konnte, woher das rührte. Eleah tat dies mit einer normalen Erkrankung ab und nahm die anschließende Umsorgung seiner Familie dankend an, während sie selbst das Krankenbett hütete, um wieder zu sich zu finden.

Nachdem Eleah und seine Schwester wieder genesen waren, war es sogar Eve, die beide dazu anhielt, dass nun endlich das verheiratet werden sollte, was zusammen gehörte. Damit setzte geschäftiges Treiben auf dem Hof ein, um die Reise nach Fadrun vorzubereiten. Mit jedem Tag stieg die Aufregung und jeder plante die Hochzeit ein Stück weit nach seinen eigenen Vorstellungen mit. Monate nach ihrem Aufbruch kehrten sie nach Fadrun zurück. Eve und ihre Mutter waren in der Kutsche untergekommen, während der Rest der Reisegruppe zu Pferd unterwegs war. Eleah war froh, dass sie sich die letzten Wochen hatte ausruhen können, denn das Reiten war nicht gerade ihre Stärke, aber genauso wenig wollte sie Schwäche zeigen. Sie spürte Eves Schmerzen zwar nicht mehr, aber sie waren da wie eine alte Erinnerung, die auch manches Mal alte Gefühle an die Oberfläche brachte. Das erste Zusammentreffen ihrer Familie am Gasthaus zur Goldenen Brücke war sehr herzlich. Ihre Eltern waren die Gastfreundschaft in Person und taten alles dafür, damit sich Dubhs Familie wohl bei ihnen fühlte. Sie hatten sogar zwei Zimmer im Haus beräumt und hergerichtet, in denen seine Familie in der Zeit, in der sie hier war Platz fand - und das konnte, so betonten Tamika und Aravarn, so lange sein, wie sie wollten.

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Re: Auf ein Wort

Beitrag von Sqeulaiche Dubh » Fr, 26. Feb 2016 17:44

Dubh war in den vergangenen Wochen in einen großen Zwiespalt geraten. Zwar war ihm sehr bewusst gewesen, was es Eleah kostete, erneut von ihrer heilerischen Begabung zu berichten, doch hatte er sie ob ihrer Eröffnung nur stumm in den Arm genommen. Er wusste ja was es bedeutete als Raéyun geschnitten zu werden und konnte darum erahnen warum Eleah so sorgsam dieses ihr Geheimnis hütete. Doch dachte er das ihre Gabe ja nun kaum anders war, denn die Seine. Doch dann hatte er Eve gesehen, dem Tode näher, denn dem Leben. Größer noch als der Schrecken ob ihres Zustandes, waren aber die Worte, die sie Eleah gegenüber äußerte, als sie sie kleiner Geist rief. Wie konnte das? Er Sqeulaiche Dubh hatte Eleah so gerufen, weil ... ja warum eigentlich? Es war nur, es war wie eine Eingebung gewesen, es schien zu passen und, und – und nun brachte Eve ihr die gleichen Worte entgegen und mehr noch wusste Eve das er Eleah sein Leben verdankte? Es war vermutlich diese Verwirrung, die ihn nicht gleich erahnen ließ was Eleah vorhatte, als sie am ersten Abend kurz verschwand und dann aber so lange fort blieb, dass er nach ihr suchte und sie bei Eve schließlich fand und zu verstehen glaubte. Sollte er Eleah von seiner Schwester fortreißen, ehe Eves Zustand sie beide noch in den Tod riss? Bedeutete das aber nicht, das er seine eigene Schwester, sein eigen Fleisch und Blut, damit zum Tode quasi doch verurteilte? Was aber wenn er Eleah, die sichtlich schwächer und schwächer zu werden schien, indes verlor? Würde er sich das nicht genauso wenig verzeihen können wie den Tod Eves? Und da erst begann Dubh zu verstehen, um wie vieles größer Eleahs Geheimnis gegenüber dem Seinen doch war. Wenn ‘er’ schon im Zwiespalt war und schließlich aber, als Eleah erschöpft zusammensank, ihre Hände von seiner Schwester löste immer noch fürchtend Eve damit dem Tod zu überantworten, was würden Fremde Eleah dann nur erst antun, denen ‘sie’ doch nicht das Gleiche etwa bedeutete, derweil Eleahs Opfer einem ihnen geliebten Menschen ein neues Leben denn zu schenken vermocht hätte.

Fürchtend zu lange gezögert zu haben, vergewisserte er sich rasch, das Eleah nur in einen tiefen Schlummer verfallen war; in einen Schlummer, aus dem es noch ein Erwachen gäbe und bat seine Mutter, nachdem er Eleah in ihrem Sessel neben Eves Bett zugedeckt hatte, nach seiner Schwester und seiner Verlobten gleichermaßen zu schauen. und tatsächlich mochte Eleah wohl bemerken, das sie die folgenden Tage stets besonders kräftigend wirkende Heilpflanzen in Speis und Trank vorgesetzt bekam. Dubh berichtete seiner Mutter Yieriell nichts von Eleahs Begabung, sprach nur von einer erschöpfenden Reise und als seine Mutter ihn geradeheraus fragte ob Eleah etwa schwanger sein, da bewies Dubh ihr erstmalig das auch er vor Scham um Worte verlegen sein könnte und ihr erheitertes Lachen und die Bekräftigung das das doch das Natürlichste der Welt wäre, machten es ihm nicht leichter einem Leuchtturm gleich mit hitzig rotem Kopf, ebenso verlegen wie vergeblich, nach Worten zu suchen. Doch erkannte Yieriell über die folgenden Tage rasch, das es keine Schwangerschaft war, die Eleah so zu schaffen machte und das Dubh so gut wie nicht mehr von Eleahs Seite wich, wann immer diese Eve versorgte, sie tat es als Sorge um Eve und schierer Zuneigung Eleah gegenüber ab. Doch Eve schien auch ohne ihre Augen in sein Herz schauen zu können und nahm ihn eines Morgens beiseite, als Eleah alleine in den Wäldern nach den Taurrin suchen wollte, vermutend das dieses sich in den vergangenen Wochen nur darum nicht gezeigt haben könnten, weil sie dort meist in der Begleitung Dubhs, sprich eines Menschen ja doch war. Eve erklärte ihm, das sie gespürt habe, was Eleah für sie getan habe und das sie seinen Zwiespalt ob dessen in den darauffolgenden Tagen nur zu deutlich auch gewahrte. „Du hast das Richtige getan, Bruderherz. Ihren Tod für mein Leben? Nein, das hätten die Geister, denen wir beide folgen, so nicht gewollt, ja nicht einmal zugelassen; und du auch nicht! Wenn du daran vielleicht Zweifel hast, Bruder – ich habe sie nicht.“

Und erst nach diesem Gespräch offenbarte er sich Eleah gegenüber, gestand ihr, das er schon lange in der Tür gestanden hatte, gesehen hatte wie sie schwächer und schwächer wurde und bis zuletzt gezögert hatte. Nicht wissend ob Eleah wirklich wusste was sie tat, ob Eleah sich nicht um seinetwillen zu sehr verausgabt, ja gar in eigene Lebensgefahr gebracht hatte. Hätte er Eleah früher aufhalten sollen und wäre das dann aber nicht, als wenn er Eve selbst das Messer in die Brust gerammt hätte? Was aber wenn er zu lange gezögert hätte, wenn Eve gerettet worden wäre, Eleah über ihre Bemühungen aber ihr eigenes Leben verloren hätte? Dubh bat Eleah um Verzeihung, dass er erst eingeschritten war, als sie über Eves Bett zusammengesunken war, dass er erst dann die Hand Eleahs von Eve fortgezerrt hatte, fürchtend, das... Dubh hatte Eleah sogar angeboten die Verlobung ob dieses seines unverzeihlichen Zögerns zu lösen, doch hatte Eleah, den Geistern der Berge sei Dank, davon nichts weiter hören wollen. Dennoch lastete dieses sein Zögern noch lange schwer auf ihm und im Stillen schwor der Raéyun sich, Eleah niemals, » n i e m a l s « wieder in solche Gefahr kommen zu lassen, ganz egal, was zukünftig auch immer auf dem Spiel dabei stehen mochte.

Doch schließlich zog wieder das schelmenhafte Funkeln in seinen Augen, das Eleah, wie aber auch seine Eltern und Geschwister doch kannten und liebten. Als sie nun schließlich nach gefühlten Wochen aufbrachen, nicht nur Eleah bemerkte das Aufatmen der restlichen Bewohner dieses verborgen gelegenen Gutshofes darob, war Dubh indes wieder ganz der Alte und spielte wieder in gewohnt froher Manier auf. Das immer wieder eine wohl recht alte Melodie vom Sqeulaiche Dubh angestimmt wurde, in welches Eve mit einer inzwischen wieder erstaunlich kräftigen, wenngleich nichtsdestotrotz leisen und sanften Gesangsstimme einfiel, fiel auf der langen Reise bald allen auf, insbesondere weil außer Dubh und Eve und gelegentlich einigen Leuten vom fahrenden Volk, Musiker wie aber auch Zigeuner, niemandem dieses Lied vertraut schien, dennoch aber alle Zuhörer es einem Ohrwurm gleich nicht mehr aus dem Kopf zu kriegen schienen und summend mit jener Melodie wie auch dem Liedtext ihrer Wege zogen. Es war ein einfaches Lied von einem fahrenden Gesellen, der sich schließlich nieder ließ, worauf ihn das ihm über Jahre nachgefolgt seiende Glück endlich einholte und sein Leben fortan bereicherte. Nichts besonderes also. Doch erst als er eines Abends, auf halber Wegstrecke in einem Gasthaus am Wegesrand einen anderen Musikus ein recht ähnliches Lied von einer Nachtigall singen hörte, welche nach einem langen Winter mit ihrer Stimme den Frühling herbei rief, hörte Dubh, mit einem erstaunlich zufriedenen Strahlen in den Augen, wie auch den restlichen Zügen, damit auf, jenes besondere Lied zu spielen.

Dann schließlich, Eve hatte die Reise in der Kutsche und unter der beständigen Aufsicht der Hebamme und Kräuterfrau Yieriell erstaunlich gut überstanden, waren sie in Fadrun angekommen und sehr zur Freude Dubhs wurde seine Familie mindestens genauso herzlich dort aufgenommen, wie Eleah auf dem verborgenem Gehöft im Wald von Sieryan. Bald waren die Hochzeitsvorbereitungen in vollem Gange und als Dubh irgendwann gemahnte es doch nicht zu übertreiben, wusste er doch seine Familie weit weniger wohlhabend denn die Eleahs mit deren Gasthaus, beruhigte ihn seine Mutter im Geheimen. Der Gutsherr hatte Ihnen, also seinen Eltern Yieriell und Bodrahn zugesichert seinen Teil auch zu der Hochzeit beizutragen, so das sie die immer höheren Kosten nicht alleine würden tragen müssen. „Ich glaube fast, er hat ein wenig ein schlechtes Gewissen, das er dich damals fortzugehen zwang und will es so wieder gut machen.“ schmunzelte der während des Gesprächs dazu gestoßene Bodrahn, Yieriell dabei in den Arm nehmend. „Ach, da ist übrigens ein Besucher für dich.“ zwinkerte Bodrahn und etwas in dessen Blick machte Dubh stutzend. Bodrahn sorgte sich. Aber warum? Dubh ging zum Gasthaus und keuchte erschrocken auf, als er einen weiteren Raéyun im Gastraum zur goldenen Brücke sitzen sah. Deutlich älter als Dubh, dachte dieser erst, der Fremde hätte einfach nur ein erschreckend pockennarbiges Gesicht. Doch dann erkannte Dubh Radagarn mit seinem verbrannten Gesicht und der senkrecht über des Mannes blinden rechten Auges laufenden Schnittnarbe. „Ausgerechnet du?“ fragte Dubh müde und der eine Aura von Gewalt ausstrahlende Kriegerbarde nickte nur, deutete mit einem Kopfnicken auf die bei ihrem Vater, wie schutzsuchend, stehende Eleah und erwiderte: „Ausgerechnet bei Ihr hätte ich gedacht, du wolltest alle Sicherheit, die es nur zu haben gibt!“ und nun war es an Dubh stumm zu nicken.

Dubh hatte, wie sich nun zeigte, mit seinem Lied von dem Wandergesellen, der sich niederließ sesshaft zu werden, eine Botschaft in die Welt hinaus gesandt: Ein Kriegerbarde, der sich vergewissern wollte, das er fähig war eine Familie zu gründen – und auch zu versorgen, sprich schützen zu können, ließ sich meist von den Alten seines Volkes prüfen. War er für würdig befunden, wurde er zu einem Meisterbarden, oder in seinem Fall -Geschichtenerzähler erhoben. Fiel das Urteil aber negativ aus, so war es bindend und in Dubhs Falle eine Hochzeit darum ausgeschlossen. Darum hatte Dubh auch niemandem von seinem Entschluss berichtet diese Prüfung einzuberufen. Das aber ausgerechnet Radagarn erschienen war, ihn zu prüfen... Radagarn hatte, wie Dubh und Eve, seine Familie an den Hass der anderen Völker verloren. Darum wohl auch war Siybuth inzwischen weitergezogen, hatte der doch noch erstaunlich lange im Gasthaus verweilt, wollte doch auch er der Hochzeit eigentlich beiwohnen. Doch waren es Shiín wie er gewesen, die die Familie Radagarns dem Flammentod überantwortet hatten, einfach weil sie Menschen doch waren und den Hügelländern von Harrhy'in schlicht zu nahe doch gekommen waren. Radagarn hatte diese alte Sitte der Meisterprüfung für überholte alte Tradition befunden und schrieb dieser Ignoranz zu, seiner Frau und seinen beiden Söhnen darum damals nicht hatte helfen zu können. Nun war er ein gleichsam vom Feuer gezeichneter Meister, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte andere Hitzköpfe vor ähnlichen Fehlern zu bewahren. Dubh wusste, er würde keine schwerere Prüfung von irgend einem anderen der alten Meister der Kriegerbarden erwarten können. Denn Radagarn war verschrien und vielfach gehasst für seine Urteile.

Doch Dubh würde nicht klein beigeben und während die Anderen nun darum die Hochzeitsvorbereitungen ohne ihn weiter voran trieben, wurde Dubh von Radagarn geprüft und geprüft und geprüft. Dubh musste beweisen, das er die Traditionen der Raéyun kannte und hoch hielt, musste sein naturmagisches Können unter Beweis stellen, auch seine Kampfeskunst und seine Bereitschaft für Eleah alles zu geben. All diese Prüfungen indes bestand Dubh und beinahe schien es Radagarn zu verärgern bis zuletzt keinen Grund gefunden zu haben dem Sqeulaiche seinen Wunsch zu verwehren. Als letztes sollte Dubh seine bardischen Fähigkeiten unter Beweis stellen und vor Publikum aufspielen und singen und darüber wäre der Sqeulaiche schlussendlich beinahe gestürzt: „Ich singe für niemand anderen, denn die Geister des Berges und der Winde!“ hatte er Radagarn entgegen geschrien. „Dann verwehre ich dir hiermit deinen Wunsch!“ hatte der andere Kriegerbarde beinahe triumphierend zurück geschrien und es hatte drei voller Tage und der Stimmen von Eve und auch dem darob gleichfalls von der Feste Stromwall herbeigeeilt seiendem Barden Brânnándôn bedurft, Radagarn zu überzeugen, das diese Kunst des Broterwerbs nicht zwingend über den Gesang erwiesen werden müsse und Dubh als Sqeulaiche, als Geschichtenerzähler auch mit einer solchen Geschichte darum überzeugen können sollte.

So kam es, das am Vorvorabend der Hochzeit noch immer in Frage stand, ob diese überhaupt statt fände, respektive was geschähe wenn – woran Dubh keinen Zweifel ließ – er des Anderen, weil für gänzlich ungerecht empfundenes, Urteil etwa ignorierend Eleah dennoch würde zu heiraten versuchen. Viele Zuhörer kamen an jenem Abend ins Gasthaus. Man mochte von den Kriegerbarden ja halten was man wollte, aber wenn einer von denen sich vor Publikum zum Meister der Geschichten unter seinesgleichen zu mausern anschickte... Sogar vier weitere Raéyun waren angereist, wenngleich so gut ihre Herkunft dabei verbergend, das es Dubhs leiser Hinweise an Eleah bedurft hatte, sie auf diese aufmerksam zu machen. Dubh sollte es schwer haben: „Keine bekannte Erzählung, keine Magie und wenn mich deine Worte nicht dennoch gänzlich gefangen nehmen...“

Dubh bat Eleah an seine Seite, als er auf die kleine Bühne trat, die auch in Vorbereitung auf die baldige Hochzeit, außerhalb des Gasthauses aufgebaut worden war. Kaum das er ihre Hand in der Seinen spürte fiel die Nervosität gänzlich von ihm ab und Sqeulaiche Dubh begann zu erzählen, von einer Welt, weit jenseits der bekannten Meere von der ein Lyr mal in den Augen eines ihm Fremden gelesen haben wollte, welcher ihm in jener Nacht das Leben gerettet hatte. Er berichtete von einer Welt, so wüst und leer, wie die Cala an Darh, das Meer ohne Namen, darin fremdartige Völker lebten. Er berichtete von einem kleinen Dorf von Sehern, den Elvoin zumindest in deren seherischer Begabungen nicht ganz unverwandt und von einem Mädchen dort, einer jungen Frau, die beim Wasserholen von Sklavenjägern gefangen und verschleppt wurde. – Dann plötzlich wechselte er in seiner Erzählung zu einem alten Myrwen-Paar, so nannte sich dieses Volk, das darüber stritt wann der Fremde, den sie erwarteten wohl einträfe und ob man ihm, einem unseligen Schattenmagier immerhin, das Schicksal der entführten Suheilah denn überhaupt überantworten dürfte. Doch hatte der alte Mann sich schließlich durchgesetzt und Dubh berichtete mit solch packender Erzählkunst von dem Alten der am Rande eines tiefen wie ausgetrockneten Wadi darauf wartete, dass die durch die im Osten bereits begonnen habenden ersten Niederschläge der kurzen wie heftigen Regenzeit verursachten Fluten den zugleich ahnungslos dort unten Wandernden in Not schließlich brächten, dass die Zuhörer beinahe das Poltern der von den durch das vormals trockene Flussbett tosenden Wasser mitgespülten Felsbrocken zu hören glaubten und allesamt erleichtert aufatmeten, als der Gerettete sich erschöpft über die Felskante schließlich zog. Und als Sqeulaiche dann plötzlich fortfuhr, zu berichten wie es Suheilah in ihrer Gefangenschaft erging, waren die Zuhörer beinahe verärgert nicht weiter über das Schicksal des Geretteten Idhân Urb zu erfahren. Doch als Sqeulaiche Dubh bald darauf wieder zu Idhân Urbs Schicksal zurück fand, fürchteten zuerst alle wieder um das Wohlergehen der gefangenen Suheilah und erst als, Stunden später, der beiden Erzählung zu einer Einzigen zusammenflossen, waren die Zuhörer es zufrieden – auch wenn nun beide gleichermaßen Gefangene der Sklavenhändler schienen und an einen Ausweg, an eine Rettung nicht zu denken war.

Dubh erzählte wie noch nie zuvor in seinem Leben und mit jeder weiteren Stunde wurde das zu Beginn noch hartherzige Gesicht Radagarns milder und milder, bis er sich schließlich ebenso auf die Erzählung einließ, wie auch alle anderen Zuhörer. Und Dubh erzählte ohne Unterlass, einzig von seinem Ansporn getrieben, die ihm gestellte Prüfung zu bestehen. Er erzählte von der Flucht der beiden und wie sie sich in der folgenden Zeit immer näher kamen. Er erzählte von entmenschtlichen Schattenhexen und -magiern und von der dunklen Magie, die auch Idhân Urb selbst teils zum Segen, teils zum Fluch wurde, berichtete von deren beider Reise nach Dschann Dahal, der einzigen anderen Küstenstadt neben seiner Heimatstadt in Sheehaza, jener fernen wie fremden Welt. Denn da es Idhân Urb verboten war nach Taharan zurück zu kehren ehe er nicht die Liebe seines Lebens gefunden und sich zur Frau genommen hätte... „GENUG!“ donnerte Radagarn und erschrocken blickte Sqeulaiche Dubh, der an dieser Stelle seinen Blick in den der an deiner Seite sitzenden Eleah versenkt hatte. „Genug!“ sprach Radagarn erneut, während Tränen ihm über das Gesicht liefen. Dubh hatte gewusst, mit dieser Passage auch Radagarn an dessen eigenes Schicksal zu erinnern. Auch er hatte sich von seiner Familie quasi losgesagt, um mit seiner Frau und später auch den Kindern eigene Wege zu gehen, hatte die Liebe über die Pflicht erhoben – und so schlussendlich alles doch verloren. „Genug.“ sagte Radagarn schroff und gewahrte erst da erschrocken der über sein Antlitz rinnenden verräterischen Tränen. Dubh hatte es mit seiner Erzählung der aufblühenden Liebe zwischen Suheilah und Idhân Urb geschafft, Radagarn daran zu erinnern, was es bedeutete zu lieben und das manche Menschen bereit waren im Angesicht dessen alles zu wagen. Und vor allen Dingen hatte Dubh es mit dieser seiner Erzählung geschafft, den verbitterten alten Raéyun auch daran zu erinnern, warum... „Du hast mein Einverständnis zu deinen weiteren Plänen, Meister Sqeulaiche Dubh.“

Beinahe war Dubh enttäuscht die Geschichte nicht fortspinnen zu können, womit er nicht ganz alleine stand, baten doch nicht wenige Zuhörer um eine Fortsetzung der Erzählung. Doch in wenigen Stunden war die Hochzeit geplant und die Müdigkeit lag ihm derweil regelrecht bleiern in allen Gliedern. Offen gestanden wusste Dubh später gar nicht mehr zu erinnern was nach den erlösenden Worten Radagarns weiter geschehen war. Das Nächste was er erinnerte war das weiche und warme Federbett und Eleahs schmunzelnde Aufforderung sich schleunigst frisch zu machen, wollte er denn nicht seine eigene Hochzeit etwa noch verschlafen. Es war ein freudiges und buntes Fest, ja selbst die Braut der Hochzeit die Eleah und Dubh zuletzt gemeinsam doch erlebt hatten, war – ohne ihren saphiräugigen elfischen Bräutigam indes – unerwartet noch erschienen. In einer Zeremonie, auf die sich die Eltern beider und aber auch Eve, als Vertreterin der Blutlinie Dubhs, geeinigt hatten gab Dubh Eleah indes sein Ja-Wort, und sie ihm das Ihre und anstelle vieler Hochzeitsgeschenke hatten alle Hochzeitsgäste und die Brauteltern alles zusammengetragen, was es für ein Gespann brauchte, dem seiner leiblichen Eltern so ähnlich, das Dubh zwischen fassungsloser Rührung und echtem Schock gefangen schien.

Beider Familie hatten sehr viel zu diesem Geschenk beigetragen. Mit dem Lohn für die Festsetzung der Diebesbande, Siybuth hatte nicht wenig seines eigenen Anteils dazu gegeben, Brânnándôn hatte die Fürsten dazu bewegen könne zwei gute Zugtiere zu einem mehr denn fairen Preis abzutreten, viele der Dorfbewohner hatten ihre Handwerkskunst investiert und damit ihre Zuneigung vor allen Dingen Eleah gegenüber zum Ausdruck gebracht und die ebenfalls recht jungvermählte Raéyun hatte mit ihrem Gemahl zusammen spontan einen Gutteil der Kosten für die Feierlichkeiten übernommen, was nicht nur Eleahs und Dubhs Eltern erleichtert aufatmen ließ, hatte man den Wagen, gerade noch rechtzeitig, zur Hochzeit fertigstellen können. Doch, selbst mit allem Besitz den die beiden Familien besaßen und den Beteiligungen Dritter an diesem Geschenk, war es doch eine schwere, eine kostspielige Bürde und Dubh wusste zuerst nicht ob sie ein solches denn überhaupt annehmen durften. „Euer Wagen wird immer einen Platz bei uns“, wischten Aravarn und Tamika seine leise geäußerten Zweifel unbeachtet beiseite. „…und bei uns!“ bekräftigten Bodrahn Yieriell, Eve und Lillith, „…haben.“, beendeten alle gemeinsam freudig. „Aber“, begann Aravarn, „Wir wissen um deine Sehnsucht den Norden zu erforschen.“, sprach Aravarn mit einer Spur von Schmerz in der Stimme. „… und deine unstete Natur, Bruderherz.“, schmunzelte Lillith keck. „Weswegen wir zumindest dafür Sorge tragen wollten, das es euch an nichts fehlt.“, sprach Yieriell, „… wo immer ihr auch seid.“ endete Tamika.
‘Ah, music, a magic far beyond all we do here!’ (Albus Dumbledore)

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Re: Auf ein Wort

Beitrag von Eleah » Mi, 30. Mär 2016 22:13

Glücklich schloss Eleah ihre Eltern in die Arme. Sie war froh, dass sich ihre Familien vom ersten Moment an so gut verstanden, als bestünde schon eine lange Freundschaft zwischen ihnen. Sie hatte die beiden sehr vermisst und war froh, wieder zu Hause zu sein, auch wenn sie die Zeit auf dem alten Gutshof genossen hatte, nachdem sie wieder vollkommen genesen war. Dennoch schienen ihre Eltern ihr anzusehen, dass es ihr in der letzten Zeit nicht gut ergangen war, und äußerten ihre Bedenken, doch im Schoß der Familie kehrten Eleahs Kräfte schnell zurück. Sie freute sich auch darauf, Fangrul wiederzusehen, dem sie mit einem sichtbar schlechten Gewissen gegenüber trat, da sie ihm gegenüber immer schon nur sehr schlecht etwas hatte verbergen können. Doch statt des erwarteten Vortrags und obwohl er instinktiv wusste, was geschehen war, folgte ein angenehmer Nachmittag bei ihm, während dem sie über dies und das, Dubh und die Hochzeit und noch so vieles mehr redeten. Letztlich wollte der alte Mann sich nur vergewissern, dass es seinem Schützling wieder gut ging und ihr alles Gute für ihre Zukunft mit dem Raéyun wünschen.

Als sie zurück ins Gasthaus kehrte, um Aravarn am Abend zu unterstützen, brauchte es nicht lange, ehe sie auf den kriegerischen Raéyun aufmerksam wurde, der den Gasthof aufgesucht hatte. Später würde Dubh ihn ihr als Radagarn vorstellen. Als Dubhs Vater seinen Sohn kurz nach dem Auftauchen des Raéyun aufsuchte, ahnte Eleah bereits, dass sein Erscheinen nicht unbedingt etwas Gutes zu bedeuten hatte und auf jeden Fall von großer Bedeutung war. Als Dubh sie später am Abend darüber aufklärte, was es mit Radagarns Hiersein auf sich hatte, zeichneten sich deutliche Sorgenfalten in ihrem Gesicht ab, die folgend immer wieder zu Tage traten, wenn Dubh von seinen Ausflügen mit dem alten Raéyun zurückkehrte. Allen voran machte sie sich dabei um Dubh Sorgen, dass er sich überanstrengte oder was die Schmach mit ihm anrichten würde, wenn er nicht bestand. Wie gut seine Aussichten auf Erfolg waren mochte sie nicht abzuschätzen, aber das wenige, was er ihr über seinen Prüfer erzählt hatte, reichte aus, um sie zweifeln zu lassen. Sie sorgte sich natürlich darüber, was geschehen würde, wenn er die Prüfung tatsächlich nicht bestand. Würde er seinen Antrag zurückziehen? Würde er sie vielleicht sogar verlassen und seiner Wege ziehen? Bei diesem Gedanken zog sich Eleahs Herz schmerzend zusammen. Ersteres wäre schmerzlich genug, jedoch letzteres würde sie nicht verkraften. Auch wenn sie ihn erst wenige Monate kannte, bestand doch ein Band zwischen ihnen, als würden sie sich schon ihr gesamtes Leben kennen, und das würde sie niemals aufgeben können.

Sie versuchte sich mit den Hochzeitsvorbereitungen abzulenken, aber manchmal übermannten sie doch die nachdenklichen Momente. Sie beide und ihre gemeinsame Zukunft waren Radagarn vollkommen ausgeliefert und sie fühlte sich so hilflos wie einst den Räubern gegenüber. Die Angst vor Radagarns Entscheidung wurde nur noch von der Angst überschattet, dass Dubh die Prüfung nicht bestand. Doch sie traute sich auch nicht, ihn zu fragen, ob diese Prozedere wirklich notwendig sei, denn sie wollte ihn weder seiner Tradition berauben noch seinen Stolz verletzen und als sie einige Tage später erfuhr, wie er auf Radagarns Bestehen reagiert hatte, ein Lied zu spielen, wusste sie, dass es das Richtige gewesen war, zu schweigen und das mit sich auszumachen. Sie hoffte inständig, dass Dubh seine Sache gut machen würde und wurde mit jedem Tag, der verstrich, nervöser.

Würde sie morgen heiraten? Diese Frage war das einzige, das ihr durch den Kopf ging, als sie neben Dubh auf der Bühne stand und Radagarns Blick sah, mit dem er Dubh erbarmungslos im Auge behielt. Ihre Hände waren eiskalt und zitterten, selbst Dubhs Berührung konnte sie nicht beruhigen. In den ersten Minuten seiner Erzählung beherrschte Panik ihre Gedanken, sodass es ihr nicht wie sonst gelang, in eine Geschichte einzutauchen. Doch je länger Dubh erzählte, desto mehr entspannte sie sich und desto mehr Bedeutung erlangte seine Geschichte um die fremde Wüstenwelt und das ungleiche Paar, von dem er erzählte. Gebannt lauschte Eleah schließlich wie all die anderen und bald fühlte sie sich so in der Erzählung gefangen, dass sie dachte, selbst dabei gewesen zu sein. Es war wie einer ihre Träume, nur dass diese Geschichte nicht in der Eiseskälte spielte, sondern unter der erbarmungslosen Hitze einer Sandwüste. Eleah schloss Suhailah und Idhân Urb sofort ins Herz und bannte mit ihnen mit. Sie hatte noch nie eine vergleichbare Geschichte gehört, die in ihren Ohren selbst Dubhs bis dahin gehörte Erzählkunst um ein Vielfaches übertraf. Den Blick in seine Augen versenkt, hing sie an seinen Lippen und alles andere als seine Worte verloren an Bedeutung, sodass sie nicht einmal merkte, wie Stunde um Stunde verstrich und auch nur mit einer Verzögerung Radagarns Worte vernahm.

"Du hast mein Einverständnis zu deinen weiteren Plänen, Meister Sqeulaiche Dubh." Erst mit diesen erlösenden Worten tauchte Eleah gänzlich aus der Erzählung auf und es war, als würde ihr jetzt wieder erst einfallen, wo sie war und warum. Ihre Hochzeit, sie würde stattfinden! Eleah war so glücklich, dass sie kurz davor war, selbst Radagarn zu umarmen, dann aber doch davor zurück schreckte und stattdessen ihren Zukünftigen mit Küssen überhäufte. Danach ging alles ziemlich schnell, denn Dubh hatte seine mitreißende Geschichte bis tief in die Nacht erzählt. Eleah war an dem Tag ihrer Hochzeit zwar hundemüde, aber glücklicher als je zuvor. Es war genauso wie sie es sich vorgestellt hatte. Mit dem Einsetzen der Musik, für die die besten Musiker Fadruns sorgten, schritt sie am Arm von Aravarn bis zu Dubh, der sie feierlich an die Hand nahm, und Brânnándôn, der vor ihnen stand und sie, so wie es ihr beider Willen war, in der Zeremonie miteinander verheiraten würde. Freudentränen glitzerten in Eleahs Augen, als sie endlich bei Dubh angekommen war und ihm endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, das Ja-Wort geben dürfte. Das gleiche von ihm zu hören ließ ihr Herz merklich höher schlagen und wie durch ein Band verbunden wich Eleah an diesem Tag nicht mehr von seiner Seite, wenn es nicht unbedingt sein musste. Sie wollte jede einzelne Minute des Tages mit ihm genießen.

Den Moment, in dem sie Dubhs Ja-Wort vernahm, wurde nur noch von dem großzügigen Geschenk all ihrer Gäste übertroffen. Abermals war die Taurrin zu Tränen gerührt, als sie vor dem großen Wagen standen, der offensichtlich für ihre Reise ausgebaut und vorbereitet worden war. Sie hatten sich so viel Arbeit gemacht und Mühe gegeben! Die Worte ihres Ziehvaters und der restlichen Familienmitgliedern weckten nicht nur erneut Tränen, sondern auch die Wehmut in ihrem Herzen. Sie konnte das Glück, das sie aufgrund dieses wahnsinnigen Geschenkes empfand, gar nicht in Worte fassen, sondern schloss jeden einzelnen nur herzlich in die Arme, während sie noch nach den richtigen Worten suchte. Ihr wurde klar, dass nun der Abschied nahte und die lang ersehnte Reise, die so lange so weit entfernt gewesen war, endlich beginnen würde.

Nur wenige Tage später standen sie erneut mit ihrer Familie vor dem Wagen, vor dem ein kräftiges Pferd gespannt worden war. Die meisten ihrer angereisten Hochzeitsgäste waren bereits wieder abgereist, sodass dieser Abschied nur im engsten Kreis stattfand. Zwei Abende zuvor hatte es jedoch im Gasthaus zur Goldenen Brücke einen rauschenden Umtrunk gegeben, bei dem ihnen die Bewohner Fadruns alles Gute auf ihrer Hochzeitsreise gewünscht hatten. Kaum einer wusste jedoch, wo ihr Weg tatsächlich hinführen würde und dass er sehr lange sein würde. Eleah konnte ihr Glück noch immer nicht fassen und ihr wurde bewusst, dass nun tatsächlich der Moment des Abschieds gekommen war. Sie drückte ihre Eltern lange und fest und genoss die Umarmung, die für lange Zeit die letzte von ihnen sein würde. Sie vernahm Aravarns Worte, der ihr versicherte, dass er verstand, wieso sie ging und sie, wenn auch schweren Herzens, immer wieder ziehen lassen würde, damit sie erfuhr, wo sie herkam. Sie war ihm, der doch immer ihr Vater gewesen war, sehr dankbar dafür und drückte ihm einen Kuss auf die Wange. Auch an Fangrul drückte sie sich lange und bereute schon fast, diese Reise anzutreten. Doch das Fernweh war zu groß. Eve überreichte ihr zum Abschied einen Strauß Myndarien und erklärte ihr den Brauch des wandernden Volkes, demnach die Blumen den Reisenden als gute Wünsche mitgegeben und nach ihrem Verwelken ausgelegt werden, damit neue Myndarien erblühen konnten. Als sie schließlich auf dem Bock saßen und Dubh den Hengst samt Wagen über die Straße Richtung Norden gen Aymân führte, winkte Eleah ihrer gemeinsamen Familie und wischte sich die Tränen aus den Augen.

Sie hatte nicht gedacht, dass der Abschied so schwer sein würde. Sie hatte sich das Ganze stets als eine romantische Reise vorgestellt und dabei ganz das Fernweh außer Acht gelassen, das sie erst verspüren würde, wenn sie unterwegs waren. Trotzdem überwog das befreite Gefühl, das sie verspürte, als sie Fadrun hinter sich gelassen hatten. Das Wageninnere bot ihnen alles, was sie für die lange Reise benötigten. Neben einer bequemen Schlafstatt gab es sogar eine kleine Kochnische und ihre Familie hatte die Schränke bis oben hin gefüllt, sodass ihnen alles zustoßen konnte bis auf den Hungertod, denn der würde sie ganz sicher nicht ereilen. Selbst der Sitz auf dem Bock war gut genug gepolstert und auf jeden Fall bequemer als jeder Sattel, in dem sie je gesessen hatte. Nach ein paar Stunden, Eleah konnte noch immer nicht ganz glauben, dass sie Fadrun tatsächlich für lange Zeit hinter sich gelassen hatten, legten sie eine kleine Pause ein, damit sich auch ihr tierischer Begleiter ausruhen und stärken konnte. Eleah löste ihn von dem Wagen und führte ihn ein Stück in den Wald hinein, um sich selbst etwas die Beine zu vertreten. Als sie ihren Blick auf der Suche nach etwas Gras über den Boden schweifen ließ, fiel ihr ein Busch auf, hinter dem es nur leicht, aber verdächtig raschelte. Sie ließ die Zügel los und näherte sich auf Zehenspitzen. Beim Näherkommen vernahm sie ein leises Fiepen, das sie zusätzlich neugierig machte, weshalb sie vorsichtig auf die Knie ging und die bewachsenen Äste mit ihren Händen teilte. Im nächsten Moment gab sie einen leisen entzückten Laut von sich, als sie drei kleine Hasenjungen vor sich entdeckte. Sie mussten noch ganz jung sein, sie hatten zwar Fell, aber sie waren noch sehr klein und bewegten sich nicht viel, sondern lagen aneinander gekuschelt in ihrem Versteck. Eleah widerstand der Versuchung, die Kleinen zu streicheln, und erhob sich stattdessen, um mit dem Pferd zu Dubh zurück zu kehren, dem sie das gerade Gesehene begeistert erzählte.
Zuletzt geändert von Eleah am So, 03. Apr 2016 10:58, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Auf ein Wort

Beitrag von Sqeulaiche Dubh » Sa, 02. Apr 2016 14:17

Ein Riesenstein fiel Sqeulaiche Dubh vom Herzen, als der alte Meister die erlösenden Worte gesprochen hatte. Denn was immer er auch Eleah, sich oder den Anderen vorgelogen hatte, von wegen er Radagarns Richtspruch ignorieren würde, komme was da wolle, so hatte er doch genug von diesem alten Meister vernommen, um von der Ausweglosigkeit solcher Bemühungen zu wissen. Paare, die sich ewige Treue geschworen hatten und wahrlich füreinander durch Feuer und Tod gewandelt wären, sahen sich nach einer gescheiterten Prüfung vollkommen entfremdet und bar jeglicher Emotionen füreinander. Viele versuchten wieder zu erwecken, was der alte Meister ihnen genommen hatte, nur um festzustellen, das eine absolute Gleichgültigkeit einander gegenüber den Platz zuvor lodernder Leidenschaft eingenommen hatte. Ja nicht einmal Trauer ob des Verlustes war ihnen noch geblieben und gleich was Dubh sich vielleicht einreden mochte, Eleah und ihm wäre gleiches wohl widerfahren, wäre da nicht diese Geschichte, die Geschichte… Dubh wusste nicht zu sagen, woher sie kam, aber er hätte selbst den Geschmack des Wüstenstaubs, den die Welt Sheehazas auf der Zunge hinterließ, bis ins kleinste Detail beschreiben können. So plastisch hatte er noch niemals eine Geschichte vor Augen gehabt und er war selbst am erstauntesten über die von ihm gebrachte Leistung. Selbst die erst so kürzlich daselbst doch vermählte Raéyun war an sich nur erschienen um Sqeulaiche tröstend aufzufangen, von dem sie, ob Radagarns Ruf, annahm dass er geradezu scheitern müsse. Doch statt dessen… Der alte Kriegerbarde, der während der Hochzeit wieder so unnahbar und beängstigend wie immer sich gab, hatte Dubh am folgenden Tag sogar noch ein letztes Mal beiseite genommen. Als letzte Prüfung und um Dubhs beständige Achtsamkeit sicher zu stellen, hatte der alte Meister Dubh verkündet, diesen ebenfalls für die Aufnahme in den Kreis der alten Meister vorzuschlagen. Das hieß, das Dubh, sollte er sich in den kommenden zehn Jahren bewähren, er in diesem auserlesenen Kreis der Allerbesten um Aufnahme würde ersuchen können. Eine Ehre die nur auf eine direkte Einladung und eine eben zehnjährige Probezeit hin überhaupt nur denkbar war. Und, eine Ehre, die Radagarn bis zum heutigen Tage noch ausnahmslos niemandem hatte zuteil werden lassen. Und doch erkannte Dubh die Warnung hinter diesen Worten. Radagarn würde seinen weiteren Werdegang vom heutigen Tage an genauestens verfolgen und darin, darin… darin lag auch eine kaum verholene Drohung: Sollte Eleah zu irgend einer Zeit durch seine, Dubhs, Fahrlässigkeit geschehen, so würde er vor dem alten Radagarn dafür auch Rechenschaft ablegen müssen!„Ich verstehe!“ lächelte Dubh und Radagarn erkannte das er die Wahrheit gesprochen hatte.

Sqeulaiche Dubh schwebte in den folgenden Tagen wie im siebten Himmel und mochte kaum von Eleahs Seite weichen. Doch gab es noch einiges zu erledigen. Zum einen musste der Sqeulaiche sich als neu erkorener Meister der Geschichten ein Sigill, oder besser gesagt Siegel aneignen, an welchem ihn die anderen Meister fortan erkennen sollten, und er wählte ohne weiter darüber nachzusinnen das Labyrinth. Das gleiche Symbol wählte er, das auch das Äußere von Eleahs neuem Medaillon zierte, welches er ihr anstelle einer Ringes zum Gelöbnis übergeben hatte und welches, wie er erklärte, versprach den Rest seines Lebensweges unbeirrbar und treu an Eleahs Seite zu bleiben. Auf dem Knauf seines Gehstockes fand sich seit neuestem darum ein eingraviertes Labyrinth und am Fuße seines Stockes, von einer verschraubbaren Messingkappe geschützt eine hervorstehende Labyrinthgravur in der Größe eines Siegels, welche ein eben solches auch darstellte. Auch hatte er mit Brânnándôn gemeinsam die mit geplante Reiseroute gen Norden geplant. Der alte Barde wusste genauestens über Poststationen und Gasthäuser, an denen Briefe empfangen, wie versandt wurden. Denn Dubh ahnte bereits das Eleah die Macht des Heimwehs in ihrer Sehnsucht nach der Ferne deutlich unterschätzte und da sie mit dem Wagen bei weitem langsamer waren, als so mancher Bote oder auch gewöhnliche Reisende… „Also jede Woche ein Brief, bis ihr Tagishum erreicht habt und ab da eine im Monat und ihr sagt auf euren Reisen Bescheid, wo ihr schon passiert seid, das die Wirte, Händler und Stationsvorsteher wissen, dass Briefe an euch gegebenenfalls noch weitergeschickt werden müssen.“ „Deal! Aber Aymân lasse besser aus. Dort würde ich nur sehr ungerne mehr Spuren hinterlassen, als irgends möglich.“ grinste Dubh, der hoffte Eleah mit dem ersten Brief von daheim eine gehörige Überraschung bereiten zu können. Auch mit seinen Eltern, Lillith und Eve wollte Dubh in Kontakt bleiben. Brânnándôn versprach die Briefe in Empfang zu nehmen und weiterzuleiten. Eve: Sie sollte überleben, aber sie würde bis an ihr Lebensende der heilerischen Fähigkeiten wie etwa Yieriells bedürfen, gesund zu bleiben. Also auch wenn ihrer Seele die gleiche Unstetigkeit innewohnte, die auch Dubh zuteil war, würde sie auf dem verborgenen Gehöft bei Yieriell und Bodrahn fortan weilen. „Glücklicherweise“, schmunzelte Eve am Abend vor Dubhs und Eleahs Abreise, „sehen die Hofbewohner keine Gefahr in mir, da ich meines Augenlichts so offensichtlich doch beraubt wurde.“ Doch als Dubh ihr ob dessen tröstend über den Arm fuhr lachte Eve nur auf. „Narren!“ fügte sie dem Vorgesagten noch hinzu und beließ mit diesen Worten nicht nur Dubh in gelindem Erstaunen zurück.

„Dubh, kleine Hasenbabies, dort vorne und sowas von süß. Das musst du dir einfach ansehen!“ Schmunzelnd sprang Sqeulaiche Dubh vom Kutschbock und folgte Eleah, auf seinen Stock gestützt, zu dem kleinen Busch. „Oh!“ noch deutlich war das kleine Nest zu sehen und als Dubh vorsichtig den Handrücken auf das Bett aus trockenem Gras legte, glaubte er gar noch die Restwärme der kleinen Körper zu spüren. Aber scheinbar hatte die Häsin ihr Brut in der Zwischenzeit rasch in Sicherheit gebracht. „Ich glaube fast, das werde ich in eine meiner nächsten Geschichten mit einbauen.“ schmunzelte Sqeulaiche Dubh und schlenderte mit Eleah wieder zum Wagen zurück. „Und bitte vergiss nicht was ich über Aymân gesagt habe. Ich wünschte, wir müssten nicht dort durch – aber mit dem Wagen haben wir kaum eine andere Wahl. Darum lass uns dort bitte zusammen bleiben. Ein, zwei Geschichten, einige gute Flaschen Wein, die wir in Tagishum für das Fünffache verkaufen können und danach dann ohne groß aufzufallen weiter und bitte: Kein Wort darüber, wo wir herkommen, wo wir hin wollen oder über uns, die Heirat oder so. Die Stadt sieht nach außen hin sicher und beschaulich aus, aber…“ Eine Stunde später, wieder auf dem Kutschbock und die Balaleika auf den Knien sang Dubh Eleah ausgelassen und scherzend eine grad ersonnene Fabel von drei kleinen Hasenbabies vor, die auszogen die Welt zu erkunden und ob des Anblicks einer Göttin in der Gestalt einer wunderschönen Elvoin direkt vor der Türe erschrocken wieder umkehrten und das Hasenpanier gaben. So ausgelassen wie in jener Stunde, endlich wieder unterwegs und doch Eleah an seiner Seite habend, hatte er sich noch nie zuvor in seinem Leben gefühlt, der Sqeulaiche Dubh. Doch statt die Welt zu umarmen, begnügte er sich vielmehr mit Eleah an seiner Seite, welche sich daraufhin aber lachend beschwerte das sie so wohl nie ans Ziel kämen…
‘Ah, music, a magic far beyond all we do here!’ (Albus Dumbledore)

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